Wen die Muse am liebsten küsst: 4 Wege zur Kreativität

Die zündende Idee, der großartige Text, das bahnbrechende Kunstwerk: Braucht es den berühmten Musenkuss, um kreative Leistungen hervorzubringen? Oder kann man Kreativität lernen? Oder verliebt sich die Muse sowieso nur in den Typ ‚wildes, chaotisches Genie‘? Alle im Wort und Idee-Team haben einen kreativen Beruf. Und wir alle können bestätigen, dass Inspiration und Ideen auch ohne Rock’n’Roll kommen. Auch wenn wir oftmals eng getaktet arbeiten, damit ein eiliger Auftrag auf die letzte Minute bühnenreif wird.

„Wer von der Muse gefunden werden will, muss dort sein, wo sie ihn suchen wird.“

Wir werden manchmal gefragt, wie es uns gelingt, quasi ‚auf Knopfdruck‘ kreativ zu sein. Dazu gibt es in der Tat einige hilfreiche Wege, die Inspiration zu fördern. Wer von der Muse gefunden werden möchte, sollte dort sein, wo sie ihn suchen wird: „Die Inspiration existiert, aber sie muss dich bei der Arbeit finden“, sagte dazu Pablo Picasso. Was können wir also tun, um uns den inspirierenden Kuss immer wieder zu erarbeiten.

1. Schaffen Sie feste Strukturen

Die meisten ‚kreativen‘ Menschen arbeiten durchaus diszipliniert: in festen Routinen und Abläufen. So folgt beispielsweise der mit höchsten Literaturpreisen ausgezeichnete Autor Haruki Murakami einem strikt geplanten Tagesablauf: Er steht täglich um 4:00 Uhr auf, um dann konzentriert bis 12:00 Uhr zu arbeiten. Um 12:00 Uhr folgt eine Stunde Sport und danach gönnt er sich bis abends um 21:00 Uhr Freizeit. In einem Interview erklärte er den Sinn dieser täglichen Struktur: „Die Wiederholung ist das Wichtigste. Ich hypnotisiere mich, um einen tieferen Zustand des Geistes zu erreichen.“ Haruki Murakami.

Mir hilft eine vertraute Routine, um auch an solchen Tagen am Ball zu bleiben, an denen ich mich eigentlich so gar nicht schöpferisch fühle. Durch die geübten Abläufe schaltet sich mein Gehirn dann nach einer Weile wie von selbst auf Produktivität.“

2. Nehmen Sie sich Freiheit

Einfach mal auf den Kopf stellen!
Einfach mal auf den Kopf stellen!

Ein Widerspruch zum ersten Tipp? Mitnichten: Innerhalb fester Routinen kann es den notwendigen Freiraum für den Kopf geben. Wenn ich weiß, dass ich jeden Tag zu bestimmten Stunden Zeit habe, mich kreativen Lösungen zu widmen, ist mein Geist dafür erst wirklich frei. Freiheit zur Förderung der Kreativität bedeutet auch Freiheit im Denken. In unseren Workshops für ‚Kreatives Schreiben im professionellen Kontext‘ ermutigen wir Teilnehmer/innen zur Offenheit für alle Gedanken. Denn wie sagt Picabia: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann!“

Nehmen Sie die Herausforderung, vor der Sie stehen, und formulieren Sie diese ins Gegenteil um. Knabbern Sie also beispielsweise gerade am Problem, wie Sie neue Kunden gewinnen können, drehen Sie die Fragestellung um: „Was kann ich tun, um potentielle Kunden fernzuhalten?“

Schreiben Sie alle (un)möglichen Antworten auf. Klingt etwas verrückt? Ist es auch. Und genau deshalb bringt es oft ungewöhnliche Ideen. Ehrlich gesagt macht es auch ziemlich viel Spaß.

3.  Machen Sie Pausen

Mit der Kreativität ist es wie mit einem Muskel: Optimal wächst die Muskelkraft, wenn sich Trainings- und Ruhephasen abwechseln. Pausen sind enorm wichtig für die Pflege der Kreativität. Vielleicht kommt es nicht von ungefähr, dass sich die Wörter Muse und Muße so ähnlich sind?
Die Hirnforschung bestätigt: Nichtstun bedeutet für das Gehirn keineswegs neuronale Inaktivität. Bestimmte Areale laufen beim ‚Nicht-Denken‘ auf Hochtouren. Erst im Leerlaufmodus bilden sich neue Synapsen. Und damit neue Ideen. Sogar im Schlaf.

Sie kennen sicher den Spruch ‚Schlaf eine Nacht drüber‘. Wenn wir Pause machen und uns ablenken, uns ganz anderen Dingen widmen, wird unser Unterbewusstsein zuverlässig weitermachen.

Eine Pause einzulegen und den Schreibtisch zu verlassen, bringt einen weiteren Vorteil. Der Standortwechsel verschafft neue Perspektiven. Ganz wichtig: Gönnen Sie sich zwischendurch eine Freude, auch am Arbeitsplatz. Eine frisch gebrühte Tasse Kaffee, einen leckeren Keks dazu und einen Plausch mit Lieblingskolleg/innen. Oder einfach mal das Fenster weit öffnen und tief durchatmen.

Und: Lassen Sie sich inspirieren – in der Freizeit und so oft wie möglich. Ob Museumsbesuch oder Badewanne, Mittagsschläfchen oder Zeit mit Freunden: Finden Sie heraus, was Ihnen gut tut. Für mich ist Joggen ein Wundermittel, wenn ich vor einem leeren Bildschirm festzustecken scheine. Während ich laufe, lasse ich auch meinen Gedanken freien Lauf. Und danach läuft’s wieder mit der Kreativität. Und – wenn nicht gerade beim Laufen – habe ich meist einen Notizblock bei mir. Vorsichtshalber und für alle überraschenden Musenküsse.

4. Nutzen Sie Techniken

Wenn sich die Muse trotz Struktur, Freiraum und Erholung einfach nicht blicken lassen will, helfen natürlich auch konkrete Kreativitätstechniken, die wir in unseren Workshops vermitteln. Mit einfachen Mitteln lockern sie unser Denken, lösen Blockaden und eröffnen neue Möglichkeiten.
Der Klassiker ist das Brainstorming. Schreiben Sie ungefiltert (Freiheit!) alles auf, was Ihnen zu Ihrem Thema in den Sinn kommt. Dabei dürfen die Gedanken im Sinne des Wortes ‚stürmen‘. Erst in der Ruhe nach dem Sturm sichten und ordnen Sie dann die aufgeschriebenen Dinge.

Oder Sie entwickeln eine Mindmap: Schreiben Sie einen zentralen Begriff in die Mitte eines Blatt Papiers und leiten Sie daraus Assoziationen ab, und aus diesen neue Begriffe und so weiter. Je abstrakter Sie das Ganze ausweiten, desto frischer die Inspiration.

Ideen für das Kopfkino

Gabriele Rejschek-Wehmeyer nutzt in Kundenberatungen gern ein Akrostichon*, um das Gedankeneis zu brechen und im Nu neue Impulse beim Klienten zu entfachen. Bei diesem Schreibspiel werden die Buchstaben eines Wortes untereinandergeschrieben. Zu jedem Buchstaben nennt man dann spontan eine Assoziation. Es ist echt erstaunlich! Wenn wir einen ungewöhnlichen Aufhänger für eine Geschichte zu einem bestimmten Thema suchen, so finden wir ihn garantiert.

Es gibt noch viele weitere Techniken, Farb-Assoziationen oder die Langeweile-macht-kreativ-Methode, die für Erstaunen sorgen, wenn wir sie in Workshops unseren Kunden zeigen. Einen Tipp von Gabriele, der bei jeder Technik hilft, darf ich hier ausdrücklich schon verraten: Schreiben Sie bei all diesen Übungen mit der Hand. Wechseln Sie vielleicht einfach mal zwischen der linken und rechten Hand. In Jedem Fall verbinden Sie die rechte und linke Gehirnhälfte miteinander, damit Gefühl und Verstand optimal zusammenarbeiten.

Kreativität ist eine wichtige Ressource.

So sagen 70 Prozent der Befragten der State of Create Studie von Adobe, dass sie Menschen zu besseren Mitarbeitern macht. Warten Sie also nicht auf den Musenkuss, verlassen Sie sich nicht auf die Launenhaftigkeit eines Geistesblitzes.

Nutzen Sie aktiv die Möglichkeiten, Ihre eigene Kreativität zu entdecken und zu fördern. Wir begleiten Sie gerne mit inspirierenden Workshops – sprechen Sie uns an: Kontakt

Ihre Mareike Neumayer

 

* Was ist ein Akrostichon?

Der Begriff stammt aus dem Griechischen (Akros = das Äußerste, das Oberste; stichos = Vers, erster Buchstabe eines Verses). Ein Akrostichon ist ein antikes Schreibspiel bzw. Gedicht, bei dem die Buchstaben eines Wortes senkrecht untereinander geschrieben werden. Jeder dieser Buchstaben bildet dann den Anfang eines neuen Wortes oder Satzes. Beispiel: Wort

W _ Werte  
O  _ Offenheit
R  _ Ruhe
T  – Tütensuppe

Passt gar nicht zusammen? Genau! Das ist das Geheimnis. Vielleicht stellen Sie jetzt fest, dass Sie gern Ihr eigenes Süppchen kochen, mit frischen Zutaten, die Ihren Kunden Appetit machen. Sie können den Duft förmlich riechen … das Kopfkino läuft.

Fotos: Mareike Neumayer, janvier / Adobe Stock; complize / Photocase; Ute Adam; Jana Stein