Audio-Special zur Geschichte des Textilservice

Mit einem Audio-Special überrascht die Fachzeitschrift R+WTextilservice ihre Leserinnen und Leser zum 125-jährigen Jubiläum. Erzählt wird die Geschichte einer Branche, die viele erst bemerken, wenn sie fehlt, wie es Redakteurin Birgit Schindele im Interview sagt. Sie ist seit 2020 im Redaktionsteam und berichtet leidenschaftlich gern über Unternehmen und Menschen, die bereits Kreislaufwirtschaft praktizierten, als von Nachhaltigkeit noch gar nicht gesprochen wurde.

Hemdenservice_Adrett Textilreinigung in Bielefeld

Textilservice – eine unterschätzte Branche

Auch ich finde das Audio-Special superspannend. Nicht zuletzt, weil ich selbst seit einer gefühlten Ewigkeit auch für diese Branche schreibe, unter anderem als freie Autorin für die Fachzeitschrift R+WTextilservice der Holzmann Medien GmbH & Co. KG, dem Verlag für Wirtschafts- und Fachmedien in Bad Wörishofen. So interessierte es mich brennend, wie es zur Realisierung der Podcast-Reihe kam, die von Birgit Schindele und Yannik Häupler produziert wurde – mit unterhaltsamen Dialogen und informativem Content.

Interview mit Redakteurin Birgit Schindele

Chefredakteurin Elena Schönhaar hatte sich voll und ganz auf die redaktionelle Kompetenz ihrer Kollegin Birgit Schindele verlassen können. Das Ergebnis kann sich hören lassen. Das Audio-Special liefert historische und neue Einblicke in ein heute hochtechnisiertes Wirtschaftsfeld, das seit Generationen für textile Hygiene und Nachhaltigkeit steht. Und das sagt Birgit Schindele selbst dazu:

Birgit, was für ein tolles Projekt. Die erste Folge ist bereits online und Deine Begeisterung ist ebenfalls hörbar. Du hattest die Federführung.

Birgit Schindele: Ja, ich habe die Podcasts gemeinsam mit meinem Kollegen Yannik Häupler gemacht. Dank ihm war die technische Realisierung möglich. Für mich war das eine neue Erfahrung. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Yannik hat ein halbes Jahr lang in unserer Redaktion volontiert. Er ist Content creator Audio/Video; diese Position tritt er im September direkt nach seinem Volontariat in unserem Verlag an. Yannik war für den technischen Part verantwortlich, ich habe die Inhalte und Texte geliefert.

Redakteurin Birgit Schindele © Rhode
Redakteurin Birgit Schindele © Rohde

Wie kam es dazu, das Audio-Format zu machen? Wer kann es hören?

Jeder, der auf unsere Website geht, kann den Podcast hören. Die Website R+WTextilservice gibt es seit 2003; unser gesamter Online-Auftritt ist über die Jahre gewachsen, mit Facebook, Twitter (haben wir nicht mehr), Instagram, LinkedIn und natürlich mit unserem Newsletter. Nun haben wir uns gefragt: Was kommt als nächstes? Audioformate werden beliebter. Was wir machen, ist Dienstleistung. Und da müssen wir flexibel bleiben, Neues ausprobieren und schauen: Was will der Leser, was interessiert ihn, was unterhält ihn. Wie erreichen wir ihn?

Ihr startet in Folge 1 mit dem Thema ‚Mittelalterliche Färber – Fleckenprofis, Alchemisten und Außenseiter zugleich‘. Das hat einen historischen Bezug zu Eurer Zeitschrift.

R+WTextilservice erscheint heuer im 125. Jahrgang. Unsere Wurzeln liegen in der Färberzeitung – und wenn man die durchblättert, ist das noch ein ganz anderes Gefühl. Die großen, dünnen Seiten sind eng bedruckt, noch in Frakturschrift, und Grafiken zeigen zum Beispiel, wie ein elektrisches Bügeleisen aufgebaut ist. Das ist ein anderes Leseerlebnis als unser Hochglanzmagazin mit dicken Seiten, bunten Bildern und umfassenden Betriebs-Porträts. Mit dem Audio-Format gehen wir nun einen weiteren Schritt.

Content creator Audio/Video Yannik Häupler © Rhode
Content creator Audio/Video Yannik Häupler © Rohde

Das ist zunächst ein Test. Wenn es unseren Lesern und Abonnenten gefällt, entwickeln wir das gerne weiter, so dass es tatsächlich ein Podcast-Format wird, das vielleicht auch über bekannte Plattformen abrufbar ist. Dafür braucht es dann die Unterstützung unserer IT.

Nach welchen Kriterien habt Ihr die Themen ausgesucht?

Die erste Frage ist immer: Was interessiert den Leser? Welchen Mehrwert kann ich ihm bieten? Allein die Geschichte von unserem Magazin zu erzählen, wäre nur für uns spannend. Als Fachmagazin sind wir Chronist, Spiegel und Sprachrohr der Branche. Und als Redakteure haben wir die Aufgabe, Informationen verständlich aufzubereiten und Kontext zu liefern.

Genau das versuchen wir im Podcast: Die Entwicklung der Branche zeitlich einzuordnen – und lebendig zu erzählen. Nicht nur für die Branche. In der zweiten Folge wird sichtbar, was hinter dem Handwerk steckt, hinter der Kunst, dem Können und der Erfahrung. Was sich über die Jahrhunderte entwickelt hat. Textilreiniger schmeißen ‚das Zeug‘ eben nicht einfach nur in größere Maschinen.

Woher stammen Wissen und Inhalt für die Podcasts?

Das war in erster Linie klassische Recherche, unter anderem im Chronologischen Lexikon der europäischen Textilgeschichte. Ich bin ein leidenschaftlicher Leser und hätte dieses Werk gern als klassisch gedrucktes Exemplar im Regal stehen. Außerdem stammen die Inhalte aus Fachbüchern von Josef Kurz, dem DTV-Atlas, aus Geschichtsbüchern der Bundeszentrale für politische Bildung, Blogs im Internet, Beiträgen aus Wikipedia oder Videos von Museen für Textilgeschichte. Und natürlich aus unserem eigenen redaktionellen Fundus und vielen Gesprächen mit Menschen, die unsere Branche kennen und geprägt haben.

Passend zu unserem Jubiläumsmotto ‚Gestern.Heute.Morgen.‘ hatte ich die Fragen im Hinterkopf: Wie hat sich der Beruf oder das Berufsbild verändert? Wie die Zusammenarbeit? Oder die Arbeit selbst. Und inwieweit haben sich geschichtliche, politische oder gesellschaftliche Ereignisse auf die Branche ausgewirkt? Das Ganze haben wir dann mit der Brille von heute betrachtet: Was gleicht sich, was unterscheidet sich? Und was können wir daraus vielleicht lernen.

Ihr berichtet unter anderem über die Entstehung der heutigen Ausbildung. Kaum jemand weiß ja, dass Textilreiniger/in ein echter Handwerksberuf ist. Und: Wer hinhört, erfährt, was die Textilpflege gestern wie heute bewegt. Was hat dich am meisten begeistert?

Ich habe sehr viel Neues erfahren. Wer glaubt, alles zu wissen, kann kein guter Redakteur sein. Unsere Arbeit lebt von Neugier – auf Menschen, auf Termine, auf Themen. Sie lebt von dem Drang, dazuzulernen. In der Geisteswissenschaft spricht man vom hermeneutischen Zirkel. Quasi ein spiralförmiger Denkprozess: Neues Wissen entsteht dadurch, dass man mit Vorwissen (Vorverständnis) ein neues Thema erschließt, daraus lernt und dann mehr Vorwissen hat und tiefer in ein Thema eintaucht.
Anders gesagt: Jeder bringt ein anderes Vorwissen mit. Beschäftige ich mich dann mit einem Thema, prägt dieses Wissen mein Verständnis – und es erweitert meinen Horizont. Steige ich dann in dasselbe Thema nochmal ein, habe ich mehr Vorwissen, tauche also tiefer ein. Bei jedem Beitrag, den ich schreibe, wird mein Wissen, also der Stein größer, und ich tauche quasi tiefer ein, ziehe größere Kreise, komme auf neue Idee, kann andere Brücken und Verbindungen schlagen.

Das klingt nach echter journalistischer und persönlicher Begeisterung?

Ja, ich habe das Privileg, dass ich in die Branche und ihre Geschichte eintauchen darf. Dass ich so vielseitige und spannende Menschen kennenlernen und begleiten darf. Es ist nicht mein erster Beitrag, bei dem ich die Geschichte der Branche mit einem Unternehmen verknüpfe. Beim Jubiläum der Plank Textilpflege beispielsweise gab mir Peter Rubi einen ersten tiefen Einblick in die Unternehmensgeschichte und da habe ich das erstmals verknüpft: Was war zu der Zeit in der Welt los? Wie hat sich das auf die Branche ausgewirkt? Das war 2020 während Corona. Nicht die erste Krise, die die Branche überwinden musste.

Und genau das ist für mich das Spannende, dass die Branche nie aufgab. Dass sie sich Nischen gesucht hat. Dass sie auf die Bedürfnisse der Kunden eingeht, sich neu ausrichtet und nicht aufgibt. Die Branche macht so viel. Das kommt im öffentlichen Bewusstsein leider nicht immer so an.

Seit wann schreibst du selbst Branchengeschichten?

Ich bin seit Mitte Februar 2020 in der Redaktion. Ich war einen Monat da, dann kam der Lockdown. Das war eine kuriose Zeit. Aber die Branche hat mich gut aufgenommen. Es gibt so viele interessante Menschen in der Branche. Mich begeistern ihre Ideen, ihre Beharrlichkeit, ihr Erfindungsgeist. Darüber hinaus bin ich gerne im Austausch mit der Forschung. Es gibt so viele spannende Aspekte in unserer Branche. So viele wichtige Themen, die nicht nur für den Berufsalltag der Textilreiniger, sondern auch für Gesellschaft und Verbraucher relevant sind.

Das ist eine gute Überleitung zur 3. Folge mit der Überschrift: Vom Webstuhl zum Computer – wie der Jacquard-Webstuhl von 1805 die Grundlage für digitale Technologien legte. Kaum zu glauben, oder?

Ja, der Webstuhl: Das war auch für mich neu. Ich wollte zuerst nur wissen, wie sich die Maschinen automatisiert haben. Vom automatischen Trennen der Baumwolle über Spinnmaschinen bin ich auf den Webstuhl gestoßen. Das habe ich in mehreren Quellen gelesen und ich wollte verstehen, wieso. Also bin ich tiefer in die Geschichte eingetaucht. Die ganze Geschichte verraten wir in der Folge 3, die am 16. September online geht.

Liebe Birgit, ich danke Dir für das Gespräch. Danke Dir und Yannik für eine spannende Podcast-Reihe. Ich bin gespannt, was wir in Zukunft noch von Dir/Euch hören werden.

Themen der Podcast-Reihe: R+W zum Hören

  • Folge 1: Mittelalterliche Färber – Fleckenprofis, Alchemisten und Außenseiter zugleich. Jetzt hören!
  • Folge 2: Die Geschichte der Fleckentfernung – von mittelalterlichen Klosterrezepten bis zur modernen Chemischreinigung _ online am 19.  August
  • Folge 3: Vom Webstuhl zum Computer – wie der Jacquard-Webstuhl von 1805 die Grundlage für digitale Technologien legte _ online am 16. September

Mehr über die Inhalte der Podcast-Reihe und Link zum aktuellen Audio-Special: Die Textilpflegebranche zum Hören!

Fotos: © Rohde; Syda Productions Adobe Stock