Ein schweres Thema in Leichter Sprache

Praxisbeispiel – Wie man einen Text für Menschen mit Beeinträchtigungen lesbar machen kann:

Der Landesstützpunkt für Hospizarbeit und Palliativversorgung in Niedersachsen (LSHPN) berät und informiert Bürgerinnen und Bürger, die Verwaltung, die Politik und die Akteure in Hospizarbeit und Palliativversorgung. Doch nicht alle, die das Thema angeht, sind in der Lage, die Infos zu lesen. Damit auch Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen sich informieren können, hat der LSHPN bei unserer Expertin für barrierefreie Texte Mareike Neumayer eine Übersetzung in Leichte Sprache beauftragt. In einem Auszug daraus möchten wir einmal zeigen, wie das dann aussieht.

„Haben Menschen mit Beeinträchtigungen besondere Bedürfnisse am Lebensende?“

So lautete ein Teil des Urspungstextes: Menschen mit Beeinträchtigungen haben in der letzten Lebensphase prinzipiell keine anderen Bedürfnisse als Menschen ohne Beeinträchtigungen. Die meisten Menschen möchten ihre letzte Lebensphase möglichst ohne Schmerzen in einer sicheren und vertrauten Umgebung erleben, mit dem Wissen, dass ihre ganz individuellen Wünsche in allen Lebensbereichen (nicht nur in der Pflege) berücksichtigt werden. Sie möchten in der letzten Lebensphase nicht nur als pflegebedürftige behandelt werden, sondern wünschen sich eine individuelle Betreuung und Selbstbestimmung.

Insbesondere bei Menschen mit intellektuellen und komplexen Beeinträchtigungen sind die Strukturen und Akteure des Gesundheitssystems und der Eingliederungshilfe nur unzureichend in der Lage, diesen Bedürfnissen gerecht zu werden. Das betrifft beispielsweise die Kommunikation (Fähigkeit zur Kommunikation in Leichter Sprache) die Schmerzerfassung oder die Kenntnis der Strukturen der Eingliederungshilfe. Dabei sind die individuellen Erfahrungen dieser Menschen zu beachten. Während viele Menschen erst in der letzten Lebensphase dauerhaft in eine neue Wohnform kommen (z.B. Pflegeheim, Hospiz), leben Menschen mit Beeinträchtigungen oft das ganze Leben in einer Wohnform (früher: Einrichtung) mit Unterstützung. Sie haben dadurch andere Erfahrungen gemacht, die besonderer Berücksichtigung bedürfen.“

Die Übersetzung in Leichter Sprache:

Nach Übersetzung und einer Verständnis-Prüfung durch Menschen aus der Zielgruppe klingt der Text dann so und sieht auch zugunsten der leichteren Erfassbarkeit nach vorgeschriebenen Schreib- und Gestaltungsregeln anderes aus:

Praxisbeispiel

Frage:
Brauchen Menschen mit Behinderung vor dem Tod besondere Hilfe?

Antwort:

Die meisten Menschen wünschen sich vor dem Tod das Gleiche.

  • Sie wollen keine Schmerzen haben.
  • Sie wollen zu Hause sein.
  • Sie brauchen Pflege.
  • Sie wollen selbst bestimmen.
  • Jemand soll ihre Wünsche erfüllen.

Für Menschen mit starken Behinderungen sind noch andere Dinge wichtig:
Sie können oft nicht sagen, was sie wollen oder was weh tut. Sie verstehen oft Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern nicht. Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern sollen dann Leichte Sprache sprechen.

Der Staat bezahlt Hilfe für Menschen mit Behinderung.
Es gibt verschiedene Hilfen für Menschen mit Behinderung. Die Hilfen heißen: Eingliederungshilfen.

Dafür gibt es Regeln im Gesetz.
Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern sollen Eingliederungshilfen kennen. Dann können Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern besser helfen.

Die meisten Menschen ohne Behinderung wohnen in einer eigenen Wohnung. Viele Menschen mit Behinderung wohnen in Einrichtungen. Das Leben in Einrichtungen ist anders als in einer eigenen Wohnung. Das müssen alle beachten,  die Menschen vor dem Tod helfen.

Barrierefreies Layout:

Bei der Leichten Sprache sind übrigens nicht nur Schreibweisen geregelt, sondern auch ein barrierefreies Layout. Das heißt:  Texte sind in Tabellen gegliedert, 14 Punkt groß, haben einen Zeilenabstand von mindestens 1,4 und sind in barrierefreier Typo (Segoe UI) geschrieben, siehe Praxisbeispiel als pdf: Ein schweres Thema in Leichter Sprache.

Zugegeben, das Thema an sich bleibt für viele Menschen inhaltlich ein schweres. Da es uns alle angeht, sollte es zumindest sprachlich so leicht sein, dass sich alle darüber informieren können. Wenn auch Sie mehr Menschen mit Ihren Informationen erreichen möchten, sprechen Sie uns gern an: Kontakt

Text: Mareike Neumayer

 

 

Fotos: Conny Wenk; Jana Stein