Ehrenpreis für #46PLUSgoesRIGA

Einfach mal Danke sagen – auf eine andere Art und Weise. Diese Idee steckte hinter einem ambitionierten Projekt. Im Juni dieses Jahres startete Martin Lühning aus seinem Heimatort Leutenbach im Rems-Murr-Kreis nach Riga in Lettland: mit dem Fahrrad und der Hoffnung, ausreichend Spenden zu sammeln, damit 21 Jugendliche mit und ohne Down-Syndrom bei den Landes-Sommerspielen von Special Olympics Baden-Württemberg in Mannheim teilnehmen können. Er hat sein Ziel erreicht und erhielt dafür eine Sonderehrung seiner Gemeinde.

Als Redaktion der MITTEILUNGEN des Arbeitskreis Down-Syndrom Deutschland (AKDS) hatten wir berichtet – vor und nach der Tour. Wir waren und sind begeistert. Und gratulieren dem Vater des 13-jährigen Benjamin zu seinem Erfolg. Er erradelte fast 15.000 Euro für eine inklusive Sportgruppe in Stuttgart, in der sein Sohn trainiert … oder sich bewegt, wie Martin sagen würde. Nun würdigt auch die Gemeinde Leutenbach seine ‚sportliche‘ Leistung.

Erfolgreiche Medienarbeit: Glückwunsch Martin!

Bürgermeister Jürgen Kiesl, Benjamin und Martin Lühning „Ja, ich bin völlig geplättet“, schreibt er uns. „Am 9. November wurde mein Sohn Benjamin für seine drei Medaillen im Rahmen der Sportlerehrung in der Gemeinde geehrt. Und mir wurde ein Ehrenpreis von unserem Bürgermeister Jürgen Kiesl ausgehändigt.

Auch wir gratulieren Martin Lühning, der vom Erfolg seiner Aktion selbst überrascht ist. Er erreichte damit zahlreiche Spenderinnen und Spender, deren Namen er bisher nie gehört oder gelesen hatte. „Das kann nur über die Medienarbeit erreicht worden sein, was natürlich toll ist“, sagt er dazu.

Eine einmalige Tour: das Rigadventur

Seit dem 14. August 2021 hatte Martin, neben dem körperlichen Training, an der Umsetzung seines Spendenprojekts getüftelt. „Ohne Promistatus Spendenbereitschaft anzuregen, ist gar nicht so einfach«, weiß er aus Erfahrung. Aber der gute Zweck habe schon so manches bewegt. Und tatsächlich war bereits Monate vor der Tour eine beachtliche Spendensumme zusammengekommen. So richtig los ging es dann Ende Juni 2022.

„Wer mich leiden sehen will, kann mein Rigadventure auf Instagram, Facebook oder Tumblr begleiten. Unter dem Hashtag #46plusgoesriga auf Instagram oder mit dem User Namen ml22.bike“, hatte er in den Sozialen Medien gepostet.

Wofür das Ganze? Der Hintergrund in Kürze

Martin Lühning und seine Familie sind Mitglied im Stuttgarter Verein 46PLUS und im AKDS. Sein Sohn Benjamin hat das Down-Syndrom und ist ein sportbegeisterter Jugendlicher, der von der ‚Sportabteilung‘ des 46PLUS Down-Syndrom Stuttgart e. V. gefördert wird. In Kooperation mit dem SV Salamander Kornwestheim bietet sie ein inklusives Sportangebot für junge Menschen mit und ohne Down-Syndrom an. Ein Highlight in diesem Jahr waren die Landes-Sommerspiele von Special Olympics Baden-Württemberg am 13. Juli 2022 in Mannheim. Um eine Mannschaft von 21 Aktiven an den Start zu bringen, bedarf es einer gewissen Logistik und Betreuung.

Die Delegation 46PLUS bei den Landes-Sommerspielen bestand aus rund 50 Teilnehmenden. Also musste unter anderem ein Reisebus her, um das Team von Stuttgart nach Mannheim zu bringen und an den Wettkampftagen vom Hotel zu den Sportstätten und abends wieder zurück. Dazu kamen Übernachtungskosten und so weiter. Damit der Traum aller Beteiligten wahr wird, wollte sich Martin aktiv einbringen. Und, wie schon gesagt, um seinen Dank und die Wertschätzung für all diejenigen zum Ausdruck zu bringen, die solch ein Projekt möglich machen.

Das Sport-Projekt FIT

„Benjamin nimmt schon seit Jahren an dem donnerstäglichen Training in Kornwestheim teil“, erklärt sein Vater. „Das Team um Coach Natja Stockhause besteht aus zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Da ich selbst recht sportbegeistert bin und weiß, welch verbindendes und bereicherndes Element der Mannschaftssport im Leben sein kann, war ich auf der Suche nach einer Möglichkeit, dieses Sport-Projekt FIT von 46PLUS und dem SV Salamander Kornwestheim zu fördern.

FIT steht Förderung, Inklusion und Training und ist eine Kooperation des Stuttgarter Vereins 46PLUS mit dem SV Salamander Kornwestheim 1894 e. V..  Die Initiative fördert Kids, Jugendliche und junge Erwachsene mit Down-Syndrom und bereitet sie auf die Teilnahme an Wettbewerben wie den Special Olympics vor.

„Anfangs hatte ich Sorge, dass meine Idee belächelt würde. Heute, 14.901 Euro später, kann ich nur allen Spenderinnen und Spendern Danke sagen“, schreibt uns Martin direkt nach seiner Tour – nach acht Tagen, 1760 Kilometern und 13.000 Höhenmetern. Seine Reisegeschichten sind voller Überraschungen und spannender Begegnungen. So trifft er in Polen einen gleichgesinnten Muli-Fahrer*, der deutsch spricht, sich als ehemaliger Radsportler und exzellenter Windschattengeber entpuppt, was auf der heißen Strecke äußerst hilfreich war. Überhaupt war er immer wieder begeistert und berührt von der Hilfsbereitschaft der Menschen.

So happy! Sportbegeisterte mit und ohne Down-Syndrom

„Natürlich gab es auch schwierige Momente“, berichtet Martin. Das Fliegen mit einem Bike oder eine unvorhergesehene Wetterlage – trotz vorheriger Lagebeurteilung, was für ihn als Polizist Routine ist. All das ist vergessen. Was bleibt sind wertvolle Erinnerungen und ein ‚sportlicher‘ Erfolg, der belohnt wurde. Die Fotos von Conny Wenk zeigen es deutlich: Glückliche Sportlerinnen und Sportler – mit und ohne Down-Syndrom während der Sommerspiele in Mannheim. Von ihnen wurde Martin ebenfalls gebührend gefeiert.

„Nächstes Jahr mach ich was Kleines mit dem Rad“, sagt er uns. „Mal sehen was mir für 2024 einfällt. Ich bin mir allerdings sicher. Dieses ‚Ding‘ lässt sich nicht wiederholen, das war eine einmalige Sache.“ Finden wir auch Martin – einfach einmalig!

Wer mehr wissen will liest weiter: #46PLUSgoesRIGA und Mit dem Bike für eine gute Sache oder auf der Projektseite von 46PLUS.

*Zum Begriff Muli-Fahrer. Martin hatte sein Gravelbike Muli getauft, da es für sein Projekt sehr viel schleppen musste.

Fotos: Conny Wenk, Martin Lühning