DTV-Jahreskongress 2019 in Hamburg

Segel setzen – Standards schaffen:

Ob DIN-Normen oder europäische und internationale Standards: Die Unternehmen der Textil-Dienstleistungsbranche sind in vielen Bereichen direkt betroffen. Das Motto des Jahreskongresses des Deutschen Textilreinigungs-Verband e. V., Berlin, traf den Kern der angesagten Themen. Als Kooperationspartner des größten Branchenverbandes in Europa waren auch wir in Hamburg gern an Bord, fischten aktuellen Input und erfuhren eine Menge über das Engagement des DTV in Sachen europäische Normenarbeit.

Rund 200 Mitglieder, Förderer und Partner des Deutschen Textilreinigungs-Verbands (DTV) diskutierten am 13. und 14. September im Privathotel Lindtner in Hamburg über Standardisierungsprozesse in der Textil-Dienstleistungsbranche. „Um eins klarzustellen: Normung ist eine tolle Sache, wenn es darum geht, Standards zu definieren. Denken Sie nur an die Normen für Stecker und Steckdosen. Immens praktisch! Wir müssen nur dafür Sorge tragen, dass Normen zeitgemäß sind und sich in Unternehmen – insbesondere im Mittelstand – überhaupt umsetzen lassen“, forderte DTV-Präsident Friedrich Eberhard bei seiner Eröffnungsrede. Aus diesem Grund arbeite der Verband aktiv daran, überbordende Gesetzgebungsinitiativen und unsinnige Normen zu korrigieren, andere Standards und Regeln, die der Branche helfen, zu unterstützen.

DTV-Präsident Friedrich Eberhard eröffnet den DTV-Jahreskongress 2019
DTV-Präsident Friedrich Eberhard eröffnet den DTV-Jahreskongress 2019

Fortschritt durch Standardisierung

Mit den üblichen Standards des Lernens setzte sich Gastreferent Daniel Jung in seinem Vortrag auseinander. Er forderte mehr Mut zum digitalen Lernen. Der „Rockstar der Mathematiker“ (FAZ) hilft Schülerinnen und Schülern auf seinem YouTube-Kanal, den Stoff aus der Schule zu vertiefen. Etwa 540.000 Schüler lieben ihn dafür und haben seinen Kanal abonniert. Jung erläuterte in seinem Vortrag, wie Konzepte und zukünftige Formen des Lernens mit digitalen Medien aussehen könnten und sollten. So bieten digitale Medien ein großes Potenzial zur Gestaltung neuer Lern- und Lehrprozesse, wenn wir allein an die Möglichkeiten zur individuellen Förderung von Auszubildenden und Ausbildern denken. Hier Orientierung zu vermitteln, Perspektiven aufzuzeigen und entsprechende Kompetenzen aufzubauen, dient unter anderem der Sicherung der so dringend benötigten Fachkräfte.

Bildungsexperte Daniel Jung referiert über neuer Lern- und Lehrprozesse
Bildungsexperte Daniel Jung referiert über neuer Lern- und Lehrprozesse

Der Erfolg digitaler Transformation

Dass der Erfolg der digitalen Transformation von Geschäftsprozessen entscheidend von freien, offenen und global verfügbaren Standards abhängt, wurde in einer Podiumsdiskussion deutlich. Ein zukunftsweisendes Thema, dass Vertreter aus Dienstleistung, Wirtschaft und der Initiative Mittelstand-Digital des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie diskutierten. Der Ausschuss Technik und Umweltschutz des DTV hat dieses Problem erkannt und erarbeitet derzeit mit seinen Mitgliedern und dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards an einem gemeinschaftlichen Verständnis und einer Empfehlung, u.a. für die Identifikation und Kennzeichnung von Wäschestücken.

Normen schaffen, die Sinn machen

Heute werden rund 80 Prozent der neuen Gesetze durch das europäische Parlament auf den Weg gebracht. Dies gilt auch für den Bereich des Normenwesens, wie Benjamin Kroupa, Leiter des Referats europäische Normung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) in Brüssel, berichtet. Er diskutierte mit Experten aus Verbänden, Unternehmen und Institutionen über konkrete Chancen und Herausforderungen beim Mitwirken am europäischen Normungsprozess. Diese sind sich einig: Es muss sichergestellt werden, dass dort, wo Normen und Standards entwickelt werden, überhaupt ein Bedürfnis des Marktes für solche Normen besteht. Zudem müssen solche Normen anwenderorientiert und auf kleine und mittelständische Unternehmen zugeschnitten werden. Falls diese Bedingungen nicht erfüllt werden, bringen solche Normen für die Unternehmen und die Verbraucher zusätzliche Kosten und machen die Dienstleistungsmärkte ineffizienter.

DTV-Geschäftsführer Andreas Schumacher im Gespräch mit Normungsex-perten aus Verbänden, Unternehmen und Institutionen
DTV-Geschäftsführer Andreas Schumacher im Gespräch mit Normungsex-perten aus Verbänden, Unternehmen und Institutionen

Aus- und Weiterbildung nach wie vor dringend

In der Arbeit und den Projekten des DTV sind die Aus- und Weiterbildung nach wie vor das zentrale Thema. Mit der Entwicklung einer E-Learning-Plattform, dem Angebot von Workshops für Berufsberater oder eine neue Einstiegsqualifizierung für ungelernte Arbeitskräfte setzt der Verband sein Engagement fort. Weitere wichtige Projekte und Initiativen sind ein DTV-Managementsystem, die Veröffentlichung eines PSA-Kompendiums für Kunden und Anwender von Schutzkleidung sowie zahlreiche Branchenevents und Networking-Veranstaltungen, ein PSA-Fachgespräch ‚Dialog in der Lieferkette‘ am 19. Februar 2020 oder das Branchentreffen Textil Service am 2. und 3. April 2020 beispielsweise.

Ergebnisse zielführender Kommunikation

In Rückblick auf das vergangene Jahr zählt der Zusammenschluss der Wirtschaftsverbände DTV und WIRTEX zu den größten Erfolgen; darüber hinaus die weitere Intensivierung der Netzwerkarbeit mit Kooperationspartnern sowie eine positive Umsatzentwicklungen in allen Branchenzweigen der textilen Dienstleistung. So sind in den vergangenen Jahren die Umsätze der deutschen Textil-Dienstleistungsbranche kontinuierlich gestiegen, zuletzt im Vorjahr um 2,4 Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro. Dieser positive Trend dürfte sich laut einer DTV-Geschäftsklimaumfrage auch in 2019 fortsetzen. Wie immer wurde in Hamburg der Termin für den nächsten DTV-Jahreskongress bekanntgegeben. Die Branche trifft sich vom 11. bis 13. September 2020 in Essen mit einem garantiert spannenden Programm, auf das wir uns bereits jetzt freuen.

Quelle: Presseinformationen DTV, Ansprechpartner Dr. Patrick Kohlas

Fotos: DTV, Rejschek-Wehmeyer