Eltern stark machen! Ein Jubiläum.  

„Ja, Eltern brauchen uns immer noch. Heute mehr denn je“, sagt Rita Lawrenz, Geschäftsführerin des Arbeitskreis Down-Syndrom e. V., Bielefeld. In diesem Jahr feiert der Elternverein 35-jähriges Jubiläum. Bestens vernetzt bietet er konkrete Hilfestellung vor Ort und sorgt für bundesweite Fachberatung. 

Im Jubiläumsjahr und zum Welttag Down-Syndrom organisiert er die Fotoausstellung „Außergewöhnlich: Väterglück“ im Rathauspavillion in Brackwede mit Bildern der Stuttgarter Fotografin Conny Wenk

In fröhlichen, motivierenden Momentaufnahmen zeigt die Fotoausstellung von Conny Wenk, dass Väterglück eben nicht von der Anzahl an Chromosomen abhängt. Die Bilder erzählen vom Glück Vater zu sein, einen Vater zu haben und vom Glück des Lebens für uns mit Menschen mit Down-Syndrom. Wir haben den Arbeitskreis bei seiner Pressearbeit ehrenamtlich unterstützt und die Einladung zur Ausstellung gestaltet; die Grafik stammt von meiner Kooperationspartnerin Astrid Farthmann.

Sehr gern stelle ich bei dieser Gelegenheit die Geschäftsführerin vor, eine Frau, die mich begeistert. Rita Lawrenz engagiert sich seit 21 Jahren in dem von Hermann Stüssel gegründeten Arbeitskreis. Ich habe ihn (vor sehr vielen Jahren) während meiner Zeit als Redakteurin bei der Bundesvereinigung Lebenshilfe in Marburg kennengelernt. Seither bin ich dem Arbeitskreis als Mitglied verbunden.

Rita Lawrenz habe ich schließlich während eines Schreibworkshops bei mir persönlich kennen gelernt, ihren Sohn Dennis erst später. Er ist längst erwachsen, ein lebensfroher, gestandener junger Mann. Denis gehört zu den rund 50.000 außergewöhnlichen Menschen in Deutschland, die mit einem Chromosom mehr auf die Welt gekommen sind. Verglichen mit anderen Gleichaltrigen ist er auf mehr oder, genauer gesagt, eine besondere Art der Unterstützung angewiesen.

Außergewöhnliches Elternglück

„Unser Elternauftrag war und ist ein anderer“, erklärt seine Mutter, die seit 1999 die Geschäfte des ArbeitskreisDown-Syndrom in Bielefeld führt. „Unsere Kinder brauchen vom ersten Tag an eine große familiäre, aber auch gesellschaftliche Unterstützung und vor allem rechtzeitige Förderung. Um später einmal mit beiden Beinen im Leben zu stehen, ein eigenes, selbst bestimmtes Leben führen zu können.“

Sie weiß wovon sie redet, spricht aus eigener Erfahrung, hat unzählige Mütter und Väter, Großeltern und andere Familienmitglieder begleitet und beraten, unterstützt durch aktive Eltern und Angehörige. Und sie erinnert sich an das herausragende Engagement des Diakons, Gründers und Weggefährten Hermann Stüssel, der im Oktober 2010 verstorben ist. „Er hat die Fotoausstellung initiiert und den Termin anlässlich unseres Jubiläums mit dem Bezirksamt festgelegt.“

Raum für Gefühle

Viele Jahre lang haben sie eng zusammen gearbeitet und gemeinsam immer wieder neu begonnen. „Wie vor 35 Jahren trifft sie die meisten Eltern unvorbereitet, wie ein Schlag: die Diagnose Down-Syndrom“, so Rita Lawrenz. In vielen Fällen müssen ihre Kolleg/innen und sie die Mütter und Väter, die hilfesuchend in die Geschäftsstelle kommen, erst einmal beruhigen, ihnen Mut zusprechen. Für viele ist hier zum ersten Mal ein geschützter Ort, um zurückgehaltenen Gefühlen und Tränen Raum zu geben, sich zu erlauben, die eigene Angst und Unsicherheit auszusprechen. Konkrete Hilfestellung bekommen sie anschließend.

„Die Kompetenz, die wir in 35 Jahren bündeln konnten, nicht nur juristisch oder medizinisch, sondern vor allem emotional und menschlich, ist für die Eltern eine große Hilfestellung“, betont die warmherzige Beraterin. Heute sei jedoch keineswegs alles besser, geschweige denn einfacher als vor 35 Jahren. „Überall wird gespart, im Gesundheitswesen sowie im gesamten sozialen Bereich; Fördergelder werden gekürzt oder gar komplett gestrichen.“

Existenzsicherung gehört zum Tagesgeschäft

So gehört neben der Lobbyarbeit die Existenzsicherung des aus einer Elterninitiative entstandenen Arbeitskreises zum Tagesgeschäft. Neben dem Anspruch, konkrete Familienhilfe vor Ort und die bundesweite Informationspolitik sicherzustellen, gibt es einen entscheidenden Antrieb: den Wunsch, allen Menschen in unserer Gesellschaft die gelebten Erfahrungen und die erlebte Bereicherung durch das Leben mit außergewöhnlichen Kindern, Enkeln, Geschwistern und Freunden nahe zu bringen.

Fotos: Conny Wenk